Lebensmittel
retten

Banane, die an einem Ende faulig wird

Wollen wir Essen wegwerfen?

Niemand will Lebensmittel wegwerfen. Und trotzdem landet jedes dritte Lebensmittel nicht am Bestimmungsort, in unseren Mägen, sondern im Müll.

Lebensmittelverschwendung zieht sich durch alle sozialen Schichten. Aus so ziemlich jedem Kühlschrank werden regelmäßig mehr oder weniger verdorbene Lebensmittel geborgen und in der Mülltonne entsorgt.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Alltagshektik, planloses Einkaufen, der Charme von Sonderangeboten und Großpackungen…

Das Ausmaß der Verschwendung

Angenommen es gäbe ein fiktives Land, in dem all die Lebensmittel angebaut würden, die zwar erzeugt, aber nie gegessen werden, weil sie nicht gut genug für den Verkauf sind, am Transportweg verderben oder ungegessen in der Tonne landen.

Dieses Land wäre annähernd so groß wie Russland [2]. Wollten wir es zu Fuß durchwandern, müssten wir uns ein Jahr dafür Zeit nehmen. Dieses Land würde viermal so viel Wasser verbrauchen, wie die USA: 250 km³ [2]. Und stünde auf Platz 3 der größten Treibhausgas-Emittenten der Welt, nach den USA und China [2].

Mit diesen umsonst produzierten Lebensmitteln könnten ca. 2 Mrd. Menschen ernährt werden. Doppelt so viele, wie aktuell unterernährt sind.

Richten wir den Blick kurz zurück auf unsere Alltagsrealität, um zu sehen, wo unser Beitrag dazu liegen könnte. Allein in der EU wären 80 Prozent oder 47 Millionen Tonnen der Haushalts-Lebensmittelabfälle vermeidbar [3].

Wo entsteht Verschwendung

Der Löwenanteil der Lebensmittelverschwendung geht auf das Konto der privaten Haushalte. 123 kg der eingekauften Lebensmittel wirft jede*r in der EU jährlich weg [3]. Wobei es ein Stadt-Land-Gefälle gibt: städtische Haushalte werfen weit mehr weg als ländliche Haushalte [4]. Jüngere Menschen gehen mit Lebensmitteln deutlich verschwenderischer um, als ältere Generationen.

Brot und Backwaren führen die Negativ-Hitliste der weggeworfenen Lebensmittel an, gefolgt von Gemüse und Obst. Platz drei nehmen Milchprodukte und Eier ein. Danach folgen Fleisch und Fisch [4].

Aber auch die Außer-Haus-Verpflegung schlägt z.B. durch Buffet- und Tellerreste in Restaurants oder nicht ausgegebene Speisen in Großküchen ordentlich zu Buche. In der EU machen sie 12 Prozent von 88 Millionen Tonnen Lebensmittelabfällen aus [5].

Die Lebensmittelabfälle im Handel sind für 5 Prozent verantwortlich. Was die Weitergabe von Lebensmitteln an soziale Einrichtungen betrifft, besteht Luft nach oben: derzeit werden beispielsweise in Österreich 6 Prozent weitergegeben [3].

Aber auch am Beginn der Wertschöpfungskette kommt es zu herben Verlusten. Auf mitteleuropäischen Äckern bleibt jede dritte Karotte liegen, weil sie ästhetisch nicht genügt. Wie lückenhaft die Kette der vollständigen Verwertung ist, zeigt auch eine Schweizer Studie mit dem Ergebnis, dass von 100 geernteten Kartoffeln nur 34 (!) gegessen werden.

Und um noch Eines darauf zu setzen: stellen wir uns kurz eine Rinderherde mit 230.000 Rindern vor. Diese gigantische Herde wird jährlich (!) in Deutschland umsonst geschlachtet, nur um letztlich zu Lebensmittelabfällen zu werden.

Lebensmittelverschwendung kann uns weder ethisch, ökologisch noch sozial egal sein. Diese Verschwendung einzudämmen ist ein wichtiger Hebel im Klimaschutz. Nicht zuletzt schaden wir uns aber auch wirtschaftlich. Jeder österreichische Haushalt steckt 300 € jährlich einfach so in die Mülltonne – in Form von Lebensmitteln, die gekauft, aber nicht gegessen werden.

Was wir dagegen tun können

Vielen Initiativen widmen sich mittlerweile dem Kampf gegen die Verschwendung. Hier sind einige Beispiele:

Quellen

[1] https://www.muttererde.at/fakten/
[2] https://www.planet-wissen.de/video-wie-saehe-die-welt-ohne-lebensmittel-verschwendung-aus-100.html
[3] https://ec.europa.eu/jrc/en/news/average-eu-consumer-wastes-16-food-most-which-could-be-avoided
[4] Schneider, F. (2012): Sekundärstudie Lebensmittelabfälle in Österreich, im Auftrag des BMLFUW [5] https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20170505STO73528/lebensmittelverschwendung-in-der-eu-infografik

Autorin: Sybille Chiari

Dr. Sybille Chiari ist Teil des Redaktionsteams von „Nachhaltigkeit. Neu denken“ und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Nachhaltigkeits- und Klimakommunikation – forschend und schreibend. Sie ist Teil der Bewegung Scientists for Future und Obfrau des Vereins Bele Co-Housing (Gemeinschaftswohnprojekt mit biologischer, regenerativer Landwirtschaft www.belehof.at).eam

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