Warum wir
Hoffnung haben

Jane Goodall mit Hund am Strand

Hoffnung ist ein heißes Eisen. Ist es naiv zu hoffen? Müssen wir hoffen? Können wir ohne Hoffnung überhaupt sein? Über die Hintergründe einer Haltung mit Zukunft.

Der Dalai Lama sieht es pragmatisch: „Ohne Hoffnung können wir Menschen nicht leben, und Hoffnung beinhaltet per definitionem den Gedanken an etwas Besseres. Unser Überleben hängt von der Vorstellung eines künftigen Glücks ab.“

Er hält es für „eine Tatsache, dass unser Körper für ein glückliches Leben geschaffen wurde.“ Ohne Hoffnung geht es nicht. Was dem Dalai Lama Mut macht? Folgende fünf Buchstaben: Greta.

Hoffnung, wem Hoffnung gebührt

Warum ist das wohl so? Greta Thunberg hat in den letzten zwei Jahren der weltweiten Klimabewegung eine nie dagewesene Sprengkraft verliehen. Sie hat gezeigt, dass niemand zu klein oder zu jung ist, etwas zu verändern. Das macht Mut und Hoffnung.

Aber nicht nur die Jugend muckt auf. Auch am anderen Ende der Altersskala geht es rund. Allen voran Jane Goodall, mit ihren 87 Jahren. Ihr neuer – wärmstens zu empfehlender – Podcast („Hopecast“) trägt die Hoffnung schon im Namen, auch etliche ihrer Bücher.

Der hoffnungsvolle Blick auf die Zukunft ist ihr Lebenselixier. Wer bei Jane Goodall in die Weltrettungs-Lehre gehen will, dem sei auch das Roots and Shoots-Programm empfohlen.

„Ich habe Hoffnung für die Zukunft, wegen des Enthusiasmus der jungen Menschen, der Resilienz der Natur und des unbezwingbaren menschlichen Geistes und Verstandes.“ Jane Goodall

Auch der weit über 90-jährige David Attenborough verbreitete bei der COP26 in Glasgow ein Gänsehaut-Gefühl der Extra-Klasse.

“Unsere Motivation sollte nicht Angst sein, sondern Hoffnung. (…) Wir sind nach wie vor die größten Problemlöser, die es je auf diesem Planeten gegeben hat. Wir wissen, wie wir die Erderhitzung stoppen können. Und umkehren können. (…)

In meiner Lebenszeit wurde ich Zeuge eines schrecklichen Niedergangs der Natur. In Eurer Lebenszeit könnt und sollt ihr Zeugen einer wundervollen Erholung werden.“ Sir David Attenborough

Das muss man erstmal sacken lassen.

Das Klima-Fenster ist noch offen

Aus der Wissenschaft kommt in Sachen Klimazukunft oft die entmutigende, dunkelrot leuchtende Fakten-Ohrfeige. Aber auch hier lohnt es sich zweimal nachzufragen. Ist alles schon zu spät? Nein. Wenn wir jetzt (!) alles (!!) in Bewegung setzen, ist das Klima-Fenster noch offen. Die Erderwärmung könnte in diesem Fall noch auf 1,5 °C begrenzt werden. Zu dem Schluss kommt eine Studie des PIK, die 400 andere Studien zusammenfasst. Auch wenn manche Folgen nicht mehr umkehrbar sind, ist uns das Klima noch nicht ganz entglitten.

Schon klar, dass unschöne Szenarien aus heutiger Sicht wahrscheinlicher sind, als der 1,5°C- Hoffnungsfunke. Aber möglich bleibt es. Und wir wissen nicht welche ‚Game-Changer‘ schon morgen auf der Bildfläche auftauchen. Womöglich sind wir selbst Teil davon?

“Es geht darum, die Ärmel hoch zu krempeln, hinzugehen und es einfach anzupacken.“ Jane Goodall

Hoffnungs-Booster

Es sind zwei unscheinbare Worte, die bei Weltretter*innen viel Hoffnung verbreiten: sozialer Kippunkt. So wird der Prozess genannt, der rasche, unumkehrbare positive Veränderungen in Gang setzen könnte. Und dazu genügt es, wenn 25 % der Bevölkerung überzeugt genug sind, dass ein bestimmtes Verhalten nicht mehr tragbar ist. Sie würden daraufhin die träge Mehrheit mitreißen (Studie). Etabliertes Verhalten und soziale Konventionen könnten sich ganz schlagartig ändern. Und es brodelt überall, vielleicht stehen die 25 % kurz bevor?

Copy Paste

Wie kann so ein Schneeballeffekt funktionieren? Unter anderem durch die Copy-Paste Möglichkeiten einer global vernetzten Gesellschaft. Viele gute Ideen lassen sich – dank Internet & Co – oft auf schnellstem Weg nachahmen und verbreiten. Egal, ob es um clevere Hacks rund um erneuerbare Energie geht, soziale Innovationen oder eine der anderen zig geforderten ‚Wenden‘: Mobilitätswende, Agrarwende, Konsumwende, und ja, sogar die Sanitätswende wird schon gefordert.

Wenn wir die Super-Abkürzung in Richtung Klimaneutralität nehmen wollen, ist es notwendig sich von anderen Ideen „inspirieren“ zu lassen oder Erprobtes manchmal schlichtweg 1:1 nachzuahmen. Teilen wir freigiebig Wissen und Lösungen, um als Menschheit eine gemeinsame Lern- und Fehlerkultur zu entwickeln.

Offen für große Chancen

Wird es uns nicht heillos überfordern, wenn sich alles um uns in kürzester Zeit ändert? Natürlich. Und da nehme ich mich selbst nicht aus. Die Philosophin Natalie Knapp beschreibt aber, warum wir gut beraten sind, uns einen neuen Umgang mit Unsicherheiten anzueignen. Unsicherheiten sind nicht per se schlecht. Sie zeigen, dass sich „in unserem Leben oder in unserer Kultur gerade etwas entwickelt, das wir noch nicht kennen und wofür wir noch keine Routine haben.“

Was Chancen birgt: Dinge geraten in Bewegung. „Es geht also gar nicht darum jetzt schon zu wissen, wie es anschließend weitergehen wird, sondern darum, die Zeit der Krise zu nutzen, um in eine größere Offenheit hineinzuwachsen,“ ist Knapp überzeugt. Denn: „Krisen sind Momente, in denen sich das Leben erneuert.“

Genau das braucht die Welt, eine neue Art des Lebens und eine sich erholende Natur. Das liegt im Bereich des Möglichen!

“Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist schon im Entstehen. An einem ruhigen Tag kann ich sie atmen hören.” Arundhati Roy

 

 

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