Lieblingszukunft -
in Bilder gepackt

Die Zukunftstapete verbildlicht, wo Nachhaltigkeit hinführen könnte. Sie entstand aus Gesprächen mit Wissenschaftler*innen und Klima-Pionier*innen.

Wie detailreich kannst du dir deine Lieblingszukunft ausmalen? Schwierig? Kommen immer dieselben Bilder? Altbekanntes oder, noch schlimmer, Weltuntergangs-Bilder? Vielleicht brauchen wir einen ‚Tapetenwechsel‘, um unsere Vorstellungen in Richtung einer BESSEREN Zukunft zu lenken. Genau das haben Wissenschaftler*innen und Grafiker*innen jetzt gemeinsam versucht.

Ist es nicht so? Weltuntergangsszenarien haben wir alle genug im Kopf. Wir sehnen uns geradezu nach einem Gegenentwurf, aber es mangelt an Vorstellungskraft. Wie sieht die Zukunft aus, auf die wir zusteuern wollen? Die gute Nachricht: es mangelt nicht an Antworten. Die Schlechte: sie sind nicht immer leicht zu finden.

So dümpelt vieles, was eine gute Zukunft ausmachen könnte, noch unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung. Das Projekt „Zukunftstapete“ will genau das ändern. Man versteht sich als Lupe und Verstärker dieser ‚unerhörten‘ Zukunftslösungen und übersetzt sie in Bilder und Geschichten. Denn Bilder und Geschichten sind im Gegensatz zu abstrakten Monster-Zahlen (wie zig Tonnen CO2) für unser Gehirn leichte Kost: wir erfassen sie schnell und merken sie uns.

Bilder aus visionären Köpfen

Um gute Antworten zu bekommen, wurde bei der Prominenz der österreichischen Klimawissenschaftler*innen angeklopft (wie Karl Steininger, Gottfried Kirchengast oder Helga Kromp-Kolb). Aber auch praxiserfahrene Zukunfts-Macher*innen wurden befragt. Beispielsweise bei Philipp Wildberger, von der Kompost-WC-Firma Öklo, deren Herzensanliegen eine Kreislaufwirtschaft inklusive Sanitärwende ist. Oder Matthias Katt, der mit seiner Firma E-friends gerade den Ökostrom-Markt aufmischt. Oder Margit Mayr-Lamm, die ein glasklares Bild von einer souveränen, zukunftsfähigen Landwirtschaft hat. Oder Hildegard Kurt, die uns einlädt Erdfeste zu feiern. Oder, oder, oder…denn Vormacher*innen gibt es mittlerweile viele.

In diesen Gesprächen wurden aus offenen Fragen Antworten. Aus Antworten wurden Geschichten. Aus Geschichten wurden Bilder. Und aus diesen Bildern setzt sich die „Zukunftstapete“ zusammen.


Wow, das könnte Zukunft sein!

Was hat sich in dieser Zukunfts-Landschaft verändert? Vieles, wenn man tiefer eintaucht. Alles, was hier glücklich macht, ernährt oder warm und trocken hält, wurde vom Tropf der fossilen Industrie abgekoppelt. Die Zukunft ist zu 100 Prozent erneuerbar oder kompostierbar. Wenn beides nicht, dann aber recyclingfähig. Und sie kommt ohne Verschwendung aus, egal ob Lebensmittel oder Rohstoffe.

Grün statt grau

Auszug aus der Zukunftstapete: Gemeinsam Wohnen (Grafik: Laura Mayer)

Vielerorts wurde aus Grau Grün, zum Beispiel auf Dächern und Fassaden oder durch die Entsiegelung ehemaliger Parkflächen. Das Verkehrs- und Energiesystem wurden klimafreundlich umgebaut. Hinter modernen Fassaden sorgen Holz, Stroh und Lehm für den Wohnkomfort der Zukunft.

Es wird viel mehr geradelt, flaniert und gewandert. Wer früher unter Flug- und Verkehrslärm gelitten hat, genießt, dass es ruhiger geworden ist.

Wälder, Gärten und Parks sind bunter geworden, oft sogar essbar. Es zwitschert, krabbelt und quakt wieder. Vogelschwärme steigen auf. Große „Flurbelebungs“-Aktionen haben Hecken, Bäume, Moore, Mager- und Feuchtwiesen zurück in die Landschaft gebracht. Flüsse wurden vielerorts aus ihrem Korsett befreit.

Regenerative Landwirtschaft

Auszug aus der Zukunftstapete: Permakultur (Grafik: Janin Salzger)

Landwirtschaft ist jetzt regenerativ, bodenschonend und ökologisch. Landwirt*innen bauen Humus auf und gleichen dadurch Treibhausgasemissionen aus, die durch die Tierhaltung anfallen. Es werden insgesamt weniger Tiere gehalten, diese dafür besser. Das meiste, was auf den Tellern landet, kommt aus der Umgebung.

Willkommen im neuen Humanismus

Auszug aus der Zukunftstapete: Gemeinsam Wohnen (Grafik: Janin Salzger)

Nicht nur die Politik hat eine scharfe Kehrtwende in Richtung Zukunftsfähigkeit hinter sich. Auch in der Gesellschaft kam es zu einem breiten Umdenken, was neue Werte ans Licht beförderte. Im “Neuen Humanismus” fühlen sich die Menschen jetzt nicht nur als Weltgemeinschaft, sondern auch als Teil des natürlichen Kreislaufs. Ohne den Planeten überzustrapazieren, lebt man hier bewusster, solidarischer, sorgenfreier und wesentlich gesünder. Überkonsum war gestern: „Time over money” lautet das neue Motto.

Die Entschleunigung ist überall spürbar. Stress und Hektik haben einer “neuen Langsamkeit” Platz gemacht. Gelassenheit, Achtsamkeit und Genuss prägen den Alltag. Man blickt auf eine Welt voller zukunftsfähiger Lösungen und gesunder Ideen. Und fühlt sich als Mensch in der Welt angekommen.

Reinzoomen in die Zukunft

Auszug aus der Zukunftstapete: Lebendiger Dorfplatz (Grafik: Laura Mayer)

Die ‚Zukunftstapete‘ wirft Blasen. Wenn man reinzoomt, kann man detaillierte Zukunftsszenen entdecken, wie die Vertikalfabrik, den lebendigen Dorfplatz oder die (Herzens-)Bildung.


Auszug aus der Tapete: Vertikalfabrik

Der Begleittext zur Tapete erläutert, was es mit Innehaltestellen, kompostierbaren, 3D-gedruckten Sneaker-Sohlen, Großmütter-Räten und Froschfesten auf sich hat. Oder auch, warum man auf ehemaligen Flugfeldern neuerdings statt Fluglärm Gänseschnattern, Skateboard-Klappern und Konzerte hört. In diesem Text findet man auch alle Links zu den konkreten Initiativen, Projekten, Pionier*innen etc., welche diese Zukunftslösungen heute schon vorleben.


Ein Mittel gegen Visionslosigkeit

Lino Zeddies formuliert es so: wir leben in einer visionslosen Zeit. Die „Zukunftstapete“ lädt dazu ein, diesen Spieß umzudrehen. Sie möchte Menschen anregen, sich eine wünschenswerte Zukunft in bunten Details auszumalen und mit anderen darüber zu sprechen.

Je stärker unser Gefühl für diese Zukunft ist, je plastischer sie in unseren Köpfen wird, umso leichter können wir auch andere Menschen für ein Umdenken in Richtung Zukunftsfähigkeit begeistern. Die Zukunftstapete versteht sich als Hilfsmittel. Sie kann als „Aufhänger“ für Gespräche und Diskussionen verwendet werden und dabei helfen ‚visionsschwache‘ Menschen aus der Reserve zu locken. Sie kann als inspirierender Hintergrund aufgehängt werden, um politische Gespräche, Konferenzen und andere Veranstaltungen zu begleiten. Oder für Zukunftswerkstätten, Workshops und Schulklassen verwendet werden. Alle Wege stehen ihr offen: denn als Creative Common ist sie frei zu verwenden. Die Dateien können hier heruntergeladen werden. Wer tiefer in die Vielstimmigkeit der Geschichten-Entstehung eintauchen möchte: hier geht es zum Making-of Video der Tapete.

 

Das Projekt Tapetenwechsel wurde von einem interdisziplinären Team aus Wissenschaftler*innen und Grafiker*innen bearbeitet und im Rahmen des Startclim-Programms gefördert:

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