Warum heuer
kein Feuerwerk

Lasershow statt Feuerwerk

Mein Herz schlägt höher, wenn ich Feuerwerk sehe – die bunten Farben, das Strahlen, das sternenförmige Leuchten in der dunklen Zeit, dazu die Klänge des Donauwalzers. Diese Kombination ist seit Jahren der Inbegriff vom Beginn des neuen Jahres für mich. Doch je mehr ich weiß, desto weniger kann ich Feuerwerk genießen. Seit ich weiß, unter welchen Umständen Billigware hergestellt wird, kann ich es gar nicht mehr kaufen.

Dass die Feinstaubbelastung durch Feuerwerk rasant und explosionsartig (im wahrsten Sinne des Wortes) ansteigt, merkt man sehr schnell nach Mitternacht. Der Ausblick, den man kurz davor noch hatte, verschwindet in dichtem Nebel. Die Missstände unter denen die bunte Pracht hergestellt wurde, sieht man jedoch nicht. Mehr dazu aber später.

Feinstaubbelastung

Im ganzen Jahr werden in Deutschland rund 2.050 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt, der Großteil zu Silvester. In den Stunden nach Mitternacht treten Feinstaub (PM10 – Partikel, die leichter sind als 10 Mikrogramm) Messwerte von bis zu mehreren 1000 Mikrogramm pro m³ im Stundenmittel auf. Wie hoch das ist, wird klar, wenn man sich die vom Umweltbundesamt festgelegte Höchstgrenze des Tagesmittelwerts ansieht, diese liegt nämlich bei lediglich 50 Mikrogramm pro m³.

Aber wozu gibt es die Höchstgrenze überhaupt? Feinstaub ist ungesund: An der Oberfläche des Staubs können sich Schwermetalle anlagern, die dann in die Lunge gelangen und Krebs erzeugen können. Aber auch der Staub selbst ist gefährlich, je kleiner, desto schlimmer, er kann sogar über die Lungenbläschen in die Blutbahn gelangen, Organe erreichen, das Blut dickflüssiger machen und zu Infarkten oder Schlaganfällen führen.

Betrachtet man das gesamte Jahr wird hingegen der Feinstaub aus der Landwirtschaft, insbesondere Massentierhaltung, wesentlich relevanter. Für 45 Prozent des Feinstaubs in Deutschland ist die Landwirtschaft laut Forscher*innen des Max Planck Instituts verantwortlich.

Schwermetalle

Auch diese finden sich vielfach in Feuerwerk, mit Absicht – denn sie erzeugen die bunten Farben. Schwermetalle wie Barium, Strontium und Kupfer kommen zum Einsatz und belasten unseren Körper, aber auch unsere Umwelt. In illegalen Feuerwerkskörpern findet sich sogar noch Blei, darauf lassen erhöhte Bleikonzentrationen zu Silvester schließen.

Der Müll…

Die schlachtfeldartige Anmutung, die Silvester vielerorts hinterlässt, offenbart das nächste Problem – den Müll. Je nach Typ bestehen Feuerwerkskörper zu 60–75 Prozent aus Verpackung und nur der Rest sind die verbrennenden pyrotechnischen Sätze. Die Verpackung = Müll landet überall, auch auf Wiesen, Weiden, Äckern. Immer wieder fordern Bäuerinnen und Bauern ein Feuerwerksverbot (bauernzeitung.at). Teils messerscharfe und bis zu 5 cm große Teile von den Feuerwerkskörpern sind schwer zu finden und gelangen daher leider auch ins Grünfutter, wo sie Nutztiere schwer und sogar tödlich verletzen können.

Apropos Tiere

Auch Wildtiere leiden enorm unter Silvesterfeuerwerk. Viele flüchten vor dem unbekannten Lärm und den Lichtblitzen und kehren erst nach Wochen in ihr Revier zurück. Radar-Messungen in den Niederlanden haben gezeigt, dass Vögel an Silvester zu Tausenden in große Höhen fliegen, um den Knallgeräuschen zu entkommen.

Soziale Ausbeutung

Doch nun ein Thema, worüber ich bis vor kurzem nicht Bescheid wusste… Mehr als 80 Prozent aller Feuerwerksraketen, Knaller und Böller weltweit stammen aus China. Zweitgrößter Produzent ist Indien. Wegen der Hochsaison vor dem Jahreswechsel müssen Hilfsarbeiter*innen beschäftigt werden, die Löhne sind niedrig, die Arbeitssicherheit ist ein großes Problem. Die Arbeitenden hantieren mit Brandsätzen und Metallsalzen, die eingeatmet werden bzw. die Haut auf den Händen verätzen. Außerdem ist die Explosionsgefahr in den Hallen hoch. Eine Recherche von Solidar Suisse ergab, dass es in China zwischen 2015 und 2018 zu 19 größeren Unfällen mit 92 Toten und 141 Verletzten kam.

Und damit nicht genug, in China, Indien, El Salvador, Guatemala und Peru kommt Kinderarbeit bei der Produktion von Feuerwerkskörpern immer noch vor, zwar nicht offiziell, aber illegal.

Schöne Alternativen

Wie können wir das Jahr also ethisch vertretbar ausklingen lassen? Licht- und Lasershows bieten ähnliche Effekte, wie Pyrotechnik, vielleicht gibt es in deiner Nähe eine derartige Show zu Neujahr. In Kombination mit Musik sind solche Veranstaltungen wirklich beeindruckend und schön. Im Kleinen daheim schaffen Konfetti-Kanonen Abhilfe und zaubern schöne Farben in die Luft.

Du möchtest trotzdem echte Pyrotechnik sehen, dann schieß zumindest nicht selbst. Geh am besten zu einem professionellen Feuerwerk von einem Unternehmen, das sein Feuerwerk selbst produziert. Gut informieren, wo Feuerwerke stattfinden kannst du dich im feuerwerk-forum.de

Professionelle Feuerwerke sind einerseits schöner, und andererseits verminderst du so die Gesamtmenge an Feuerwerk in der Luft. Bei professionellem Feuerwerk fällt auch weniger Müll und Plastik an, da Kugelbomben und nicht Raketen mit viel Verpackung gezündet werden.

Außerdem verbrennst du dir nicht die Finger und sparst auch noch Geld. Wenn das nicht ausreichend Vorteile sind!

Autorin: Isabell Riedl

Dr. Isabell Riedl ist seit 2012 in der Werner Lampert GmbH und leitet dort die Nachhaltigkeitsabteilung. Sie studierte Ökologie mit Schwerpunkt Natur- und Landschaftsschutz und Tropenökologie an der Universität Wien. Ihre Dissertation verfasste sie über die Bedeutung von Baumreihen in landwirtschaftlichen Gebieten für Waldvögel in Costa Rica. Zeit ihres Lebens hat sie sich insbesondere der ökologischen Nachhaltigkeit verschrieben. Sie ist Teil des Redaktionsteams des Online-Magazins „Nachhaltigkeit. Neu denken.“

 

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