
Gold? – Wer von uns Normalbürgern hat schon viel damit zu tun?! Das ist doch eher etwas für Könige, Potentaten und Banken – so scheint es. Wir haben aber alle mehr mit Gold zu tun als wir denken: Gold steckt nicht nur in Barren, auch im Handy, im PC, in der TV-Fernbedienung… – und natürlich im Zahn, im Ring am Finger, in der Armbanduhr und überhaupt im Schmuck.
Gold hat einige spezielle Eigenschaften, weshalb es in der Zahn- oder Elektrotechnik verwendet wird. Allerdings nur zu etwa 10 %. Das meiste Gold geht in Schmuck, etwa 60 %, und spätestens seit der Euro-Krise zunehmend in Anlagegold, etwa 20 %. Eigentlich verständlich, wenn über die Insolvenz ganzer Banken und sogar Staaten geredet wird.
Gold ist an sich ein unproblematisches (Edel-)Metall. Problematisch ist allerdings die Art und Weise der Goldförderung. Und man kann auch fragen, wozu es die Goldförderung überhaupt braucht.
[av_heading heading=’Der Reihe nach – am Beispiel Peru:‘ tag=’h3′ style=“ size=“ subheading_active=“ subheading_size=’15‘ padding=’10‘ color=“ custom_font=“ admin_preview_bg=“][/av_heading]
Im industriellen Großbergbau arbeitet man – aus Kosten- bzw. Profit-Gründen – im offenen Tagebau und mit Hilfe von Zyanid.
Die Folge: riesige Krater entstehen, teils hunderte Meter tief und kilometerlang, die so gut wie nicht zugeschüttet oder renaturiert werden (können). Selbst wenn, wäre das fürs Grundwasser wegen multitoxischer Reaktionen ein Problem. Und Landwirtschaft oder andere Bodennutzung ist endgültig vorbei.
Zyanidlauge, aus dem Salz der Blausäure, löst selbst kleinste Goldpartikel aus dem zermahlenen Gestein. In der peruanischen Mine Yanacocha, der größten Goldmine Lateinamerikas, wird daher abgebaut bis zu einem Gehalt von 0,5 g Gold pro Tonne Gestein. Aus riesigen Mengen Trinkwassers wird so hochgiftiges Abwasser. Mensch, Tier, Natur leiden darunter. Sie werden vergiftet oder durch Druck oder die Umstände vertrieben.
In der sogenannten Kleinschürferei, z.B. meist illegal im Amazonasgebiet, wird der Sand unter Bäumen an Flussläufen mit Hochdruckspritzen ausgespült, gesiebt, mit Quecksilber amalgamiert, in Schüsseln erhitzt, das Quecksilber verdampft und Gold bleibt übrig. Zumindest dieser letzte Schritt ist einfach und bequem. Allerdings sind gerade die Quecksilberdämpfe hochgiftig. Die Folgen zeigen sich erst später: zerebrale Störungen, Fehlgeburten, Missbildungen, Hautausschläge… Quecksilberreste werden zudem übers Wasser und Fische noch aufgenommen. Wälder, sogar im Indigenen- und Naturschutzgebiet, werden zerstört.
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[av_heading heading=’Was haben wir damit zu tun? Oder: Was können wir tun?‘ tag=’h3′ style=“ size=“ subheading_active=“ subheading_size=’15‘ padding=’10‘ color=“ custom_font=“ admin_preview_bg=“][/av_heading]
Zunächst steuert auch unsere Nachfrage nach Gold den Preis, der aber von fünf Banken beim Londoner Goldpreis-Fixing festgelegt wird, bislang z.B. dabei: die Deutsche Bank und Paribas (US-Stellen werfen übrigens ersterer vor, den Preis manipuliert zu haben). Durch hohen Goldpreis und „kostengünstige“ Produktion lohnt der Abbau auch noch bei geringem Goldgehalt. Durchschnittlich 0,8 g Gold pro Tonne Gestein in Yanacocha stehen in den Alpen bis zu 30g/t gegenüber. Hier wird es nicht abgebaut. Die ökologischen und sonstigen Risiken und Kosten verlagern wir faktisch nach Peru, China, in den Kongo usw.
In deutschem Privatbesitz befinden sich 8000 t Gold, das sind 5 % des weltweiten Goldbestands und mehr als doppelt soviel wie der Goldschatz der Bundesbank, immerhin der zweitgrößte staatliche Goldbesitzer nach den USA. Gold im Tresor oder im Schmuck braucht eigentlich niemand zum (Über-)Leben. Aber allein mein goldener Ehering, heute in Yanacocha gefördert, stünde für mehr als 14 Tonnen (!) Giftmüll. Ein Handy schlägt – allein für seinen geringen Goldgehalt von etwa 0,03 g – mit 140 bis 200 kg Giftmüll zu Buche.
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[av_heading heading=’Kurz:‘ tag=’h3′ style=“ size=“ subheading_active=“ subheading_size=’15‘ padding=’10‘ color=“ custom_font=“ admin_preview_bg=“][/av_heading]
Es lohnt, an Recycling oder Alternativen zu Gold zu denken und über die „Nutzlosigkeit“ von Anlagegold nachzudenken – und zu handeln. Auch wenn die Handelsbilanz der Förderstaaten dann nicht mehr so golden glänzt: Mensch und Natur in den Förderländern, und am Ende auch wir, profitieren davon.
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Über den Autor
Dr. phil., Lic. theol., Dipl.-Päd. Hartmut Heidenreich, zuletzt Direktor des Bildungswerks der Diözese Mainz; ehrenamtlich einer der Koordinatoren der Kampagne Bergwerk Peru
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